SCHACHundBUCH

Dies ist eine Webseite, die sich mit Schach beschäftigt.
Spezielle Themen sind das Open der Olympiade 2008 in Dresden und die Eröffnungen
Französisch, Holländisch und Bird/Holländisch im Anzug
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Französisch


Auf dieser Seite werden verschiedenen Spielpläne aus der Sicht von Schwarz und Weiß
diskutiert. Die häufigsten Erwiderungen auf 3. Sd2 sind 3... Sf6 und 3... c5. Daneben
kommt als nicht verpflichtende Antwort in letzter Zeit noch 3... Le7 in Frage.
Auf 3. Sc3 sind 3... Lb4 oder 3. Sf6 üblich.
Alle Abspiele werden in aktuellen Musterpartien beleuchtet.

Partien aus dem Sparkassen-Chess-Meeting in Dortmund!
Caruana, Fabiano - Meier, Georg
Sparkassen Chess-Meeting 2012
Runde 6, 19.07.2012
Französisch 3. Sc3 Sf6 "Klassisch" (C18)

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. e5 Sfd7 5. f4 c5 6. Sf3 Sc6 7. Le3 Le7
(Die erste prinzipielle Entscheidung: Hier geht auch cxd4, a6 oder Db6)
8. Dd2 O-O 9. Le2 a6



(Und nun muss sich auch Weiß entscheiden wohin er rochieren will. Mit der langen Rochade kann sofort ein Angriff auf den schwarzen König inszeniert werden, ist aber natürlich wegen des schwarzen Gegegangriffs nicht ganz ungefährlich)
10. O-O b5 11. a3 Lb7 12. Kh1 Dc7 13. dxc5 Sxc5 14. De1 f6!
(Der typische Gegenstoß)
15.Lxc5 Lxc5 16. Ld3 f5



(Wiederum eine sehr prinzipielle Entscheidung. Nun kann die f-Linie seitens Schwarz kaum mehr geöffnet werden, diese Seite wird statisch und der Bauer e6 bleibt für immer schwach.)
17. Se2 d4?!
(Meier sprach nach der Partie von einem falschen Plan. Meinte er damit diesen Zug? Zumindest Tac8 war auch eine Alternative.)
18. b4?!
( Dg3! mit Angriff +=)
18... Lb6 19. a4 De7 20. axb5 axb5 21. Tb1 Ta2 22. Sc1?!
( Dd2 += Beide Parteien reagieren reichlich unsicher in dieser Position obwohl beide Französisch-Experten sind)
22...Ta4 23. Lxb5 Txb4 24. Sd3 Txb1 25. Dxb1 Tc8 26. Lc4 Sa5 27. La2 Tc6 28. Sg5
( Nun wird der Druck gegen e6 übermächtig)
28... Ld8?! 29. Db4?
( 29. Lxe6! Txe6 30. Da2 +-)
29... Lc8 30. Dxd4 h6 31. Sf3 Txc2 32. Sb4 Sc6 33. Sxc6 Txc6 34. Da4 Ld7 35. Td1 Tc1! = 36. Db3 Dc5 37. Dd3 Txd1+ 38. Dxd1 Lb6 39. h3 Lc8 40. Da4 Kf7 41. Kh2 Ke7 42. h4 Ld7 43. Dd1 Db4 44. Dd6+
( Bevor es ihm zu heiß wird wickelt Fabio in eine Remis-Endspiel ab)
44...Dxd6 45. exd6+ Kxd6 46. Se5 Lc8 47. Sc4+ Kc5 48. Sxb6 Kxb6 49. Kg3 Kc5 50. Kf2 Kd4 51. Lb3 e5 52. fxe5 Kxe5 53. g3 f4 54. Ld1 g5 55. hxg5 hxg5 56. gxf4+ Kxf4 1/2-1/2



Zu allererst: Wer sich an den Variantenkomplex des Winawer-Franzosen heranwagt muss über Nerven wie Drahtseile verfügen, denn wer mit Weiß oder Schwarz nur einen kleinen Schritt vom Weg abweicht kann schnell untergehen.

Leko, Peter - Caruana, Fabiano
Sparkassen-Chess-Meeting 2012
Runde 4, 16.07.2012
Französisch 3. Sc3 Lb4 Winawer (C18)

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Lb4 4. e5 c5 5. a3 Lxc3+ 6. bxc3 Se7 7. Dg4 cxd4 8. Dxg7 Tg8 9. Dxh7 Dc7 10. Se2 Sbc6 11. f4



Diese Position kann als Grundstellung des Winawer-Franzosen betrachtet werden wie sie schon über 3000 Partien in meiner Datenbank vorkam. Weiß hat die Bauern am schwarzen Königsflügel abgeräumt und häufig ist der Vorstoß des weißen h-Bauern eine thematische Fortsetzung. Weiß will damit die schwarzen Figuren an Verteidigungsmaßnahmen binden. Schwarz wird alles daran setzen einen Angriff gegen den in der Mitte feststeckenden weißen König zu inszenieren. Die Variante eignet sich besonders für abenteuerlustige Taktiker und so ist es nicht verwunderlich, dass Ivanchuk zu einem der häufigsten Anwendern gehört.
Leko liegen solch taktische Schwarmützel eigentlich nicht und ist es nicht verwunderlich, dass es kaum Partien von ihm mit dieser Variante gibt. Aber vielleicht fühlte er sich nach dem überzeugenden Sieg gegen Gustafsson in der Stimmung.

11... dxc3
(11... Ld7 12. Dd3 dxc3 wird häufiger gespielt, aber sowohl nach Sxc3 wie auch Dxc3 scheint ein gewisser weißer Vorteil nicht von der Hand zu weisen sein.)

12. Dd3 d4 13. Sxd4 Sxd4 14. Dxd4
(Teil 1 des schwarzen Plans, nämlich die Öffnung der d-Linie ist abgeschlossen.)
14... Ld7 15. Tg1
(Die Alternative ist 15. Tb1 mit Inbesitznahme der halboffenen Linie) 15...Sf5 16. Df2 Dc6 17. Ld3 Dd5 18. Tb1 Lc6 19. Tb3 O-O-O
(Nach 19... Txg2? 20. Txg2 Dxg2 Dxg2 Lxg2 Txc3 +- hat Weiß einfach einen Bauern mehr und dazu das Läuferpaar)
20. Txc3 Kb8 21. g4 Sd4 22. Tg3 Dh1+ 23. Lf1 b6 24. Lb2



(Wenn man so will der erste eigene Zug. Vorgänger hatten hier mit a4 fortgesetzt. Die Situation ist allerdings ziemlich komplex. Wie sollen beide Seiten fortsetzen? Dabei erscheint mir ein schwarzer Plan klarer: Er muss die Türme in der d-Linie verdoppeln um dann nach Abzug des Springers mit Td1 und wiederum Td2 drohen entweder matt zusetzen oder die Dame zu erobern. Dass Weiß kaum ein klare Linie verfolgen kann sieht man an den nächsten Zügen Lekos, der den schwarzfeldrigen Läufer erst mit Kunstgriffen wieder befreien kann. Vom praktischen Standpunkt her sehe ich Schwarz im Vorteil, auch wenn der Computer Weiß bevorzugt)
24... Le4 25. a4 Td5 26. La3
(Gerade noch rechtzeitig: )26... Tc8 (26...Tgd8 27. Ld6+)27. Ld6+ Kb7 28. Txc8



(Schwarz steht vor der schwierigen Aufgabe seine Initiative am leben zu erhalten. Wohl oder übel musste Kxc8 geschehen. Dann führt zwar 29. Tc3+ Kd7 30. Tc7+ Ke8 zum Remis, aber 29. c4 Sc2+ 30. Ke2 Td4 zu einer weiterhin völlig unklaren Situation. Schwarz hat Probleme seine Dame aktivieren, aber Weiß kommt auch nicht sofort weiter. Stattdessen setzt Caruana alles auf eine Karte)
28... Sf3+? 29. Ke2 Td2+ 30. Ke3 Kxc8 31. Tg1?!



(Allein schon vom praktischen Standpunkt aus musste unbedingt La6+ und anschließend Df1 geschehen. Weiß hätte nach dem Damentausch seine Läufer optimal plaziert und sicherlich großen Vorteil. Ich denke Leko rechnete einfach damit, dass nach dem Turmtausch sein Mehrbauer und das Läuferpaar ebenfalls zum Sieg leicht ausreichen und wählte daher die scheinbar einfachere Lösung)
31... Sxg1 32. Kxd2 Sf3+ 33. Kc3 Sxh2 34. Le2 Da1+ 35. Kd2 Dh1 36. Dg3?! (Meines Erachtens ist erst das der Fehler der die Partie zum Remis verdirbt. 36. a5! knabbert weiter an der schwarzen Deckung während die schwarzen Figuren nicht zum Zusammenspiel finden.) 36...Sf1+ 37. Lxf1 Dxf1 38. De3
(Während Partie dachte ich dass hier 38. Dc3+ Kb7 39. Dc7+ für Weiß gewinnt, aber nach Ka6 hat Weiß nichts zwingendes und Schwarz gleicht aus.)
38... Dg2+ 39. De2 Dxe2+ 40. Kxe2 Lxc2 41. a5 bxa5 42. Kd2 Lg6 1/2-1/2


Partien aus dem GM-Turnier in Berlin!

Französisch 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Lb4



GM Rabiega, Robert (2551) - IM Kurman, Oliver (2420)


1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Lb4 5. e5 h6 6. Ld2 Lxc3 7. bxc3 Se4 8. Dg4 g6
An dieser Stelle ist 8... Kf8 die meistgespielte Alternative. Unter anderen ist Viktor Korchnoi
der größte Verfechter dieser Spielweise. Er findet 8... g6 schwächt das Feld f6 zu sehr und
vertraut lieber auf die "unangreifbare" Bauernstruktur.

9. Df4
Dieser Zug legt sofort den Finger in die Wunde f6. Weitaus häufiger wird hingegen 9. Ld3 mit
natürlicher Entwicklung der Figuren gespielt.

9... c5 10. Ld3 Ld7
Ein interessanter Zug, der sich um den mögliche Bauernverlust auf e4 nicht kümmert. Natürlich
erscheint 10... Sxd2 im Sinne des Ausgleichs einfacher.

11. Sf3(10. Lxe4 dxe4 11. Se2 [11. Dxe4 Lc6! -+] Lc6 12. 0-0 g5 13. De3 Dd5 14. Sg3 +=)
11... Lc6 12. dxc5




Eine sehr prinzipielle Entscheidung, wollte Weiß c4 verhindern? 12. De3 oder 12. 0-0 war Weiß wohl zu passiv.
12... Sd7 13. Lxe4 dxe4 14. Sd4 Dc7 15. Sxc6 Dxc6
Wer solche Positionen nicht mag, sollte besser nicht McCutcheon spielen. Schwarz kann
wunderschön gegen die weißen Bauern spielen, aber der König findet erstmal kein sicheres
Plätzchen. Der Bauer f7 wirkt verwundbar und bei einer kurzen schwarzen Rochade fällt sofort h6.

16. O-O (16. Le3!?) g5! 17. Dg3 Dxc5 18. Tae1 Dxe5 19. f4!?
Rabiega riskiert viel, aber der Zug lag nahe. Gut nehmen kann Schwarz nicht, und so hoffte er wohl
auf die Schwäche des Bauern auf g5. Alternativ konnte er auch auf e5 nehmen und auf Ausgleich hoffen.

19... Dd5 20. Le3 Tg8(!) 21. Td1 Dc6 22. fxg5 hxg5 23. Td6 Db5
Auf 23... Dxc3 kommt 24. Txf7!
24. Df2 O-O-O 25. Lxa7 Se5 26. Txd8+ Txd8 27. Ld4 f5 28. a4 Dd5 29. Tb1



Der Angriff von Weiß ist schnell verpufft und Schwarz verfügt über ein mächtiges Zentrum.
Die Idee Tb5 hinter dem letzten Zug von Weiß ist zu durchsichtig. Schwarz kann die Schwerfiguren
einfach abtauschen und landet in einem vorteilhaften Endspiel.

29... Sc6 30. Lf6 Dd1+ 31. Df1 Dxf1+ 32. Txf1 Tg8 33. Td1 Tg6 34. Ld4 Kc7 35. Tb1 e5 36. Lb6+ Kd6 37. Td1+ Ke6 38. Lc5 f4 39. Kf2 Tg7 40. Td6+ Kf5 41. h3 g4 42. hxg4+ Kxg4 43. Lb6 e3+ 44. Kf1



Jetzt bringt ein sehr schönes Springermanöver den Sieg.
44... Se7 45. Te6 Sf5 46. Txe5 Sg3+ 47. Ke1 Th7 48. Lxe3 fxe3 0-1

Eine ausgezeichnete Leistung Kurmans, die er danach leider nicht mehr bestätigen konnte


Französisch 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 a6



GM Yemelin, Wassily (2588) - GM Erdos, Viktor (2565)

1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 a6
Dieser Zug ist für Yemelin sicher eine Überraschung. Zwar gehört die französische
Verteidigung zum Standardreportoire von Erdös, aber 3... a6 hat er noch nicht gespielt.
In letzter Zeit spielte er häufiger 3... Le7. Yemelin überlegte nun lange an der Fortsetzung.

4. Sgf3 c5 5. exd5 exd5 6. dxc5 Lxc5 7. Sb3 Lb6 8. De2+ Se7 9. Le3 Sbc6 10. Dd2?!
Irgendwie ein seltsamer Zug. Logisch wirken 0-0-0 oder Lxb6
10... 0-0 11. Le2 Te8 12. 0-0 Lxe3 13. Dxe3 Sg6 14. Dd2 Df6 15. c3 Sf4 16. Te1 Lg4



Die schwarze Stellung sieht aktiver aus, aber Schwarz kann trotz mehrerer passiver
Züge von Weiß noch keinen großen Vorteil für sich beanspruchen. Schwarz verbraucht viel Zeit,
aber die nachfolgende Abwicklung bringt eher Weiß in Vorteil.

17. Sfd4 Sxd4 18. Lxg4 Dg5 19. cxd4 Dxg4 20. f3 Df5 21. Sc5!



Mit diesem Springerzug kann Weiß aus heiterem Himmel einen Bauern gewinnen.
21... b6 22. Sxa6 h5
denn Txa6 scheitert an 23. Te8 matt!
23... Tac8?! Das gibt Weiß zu wenig zu denken. Die Alternative ist 23... h4
24. a3 h4 25. Df2 Weiß spielt auf die Zeitnot seines Gegners und belässt die Figuren
auf dem Brett

25... h3 26. g3 Sg2!? Sd3!?27. Te2 Kf8 28. Td1 g6
29. Sd3 Txe2 30. Dxe2 Te8 31. Df2 Kg7 32. g4 Dg5 33. Dd2 Te3! 34. Tf1 De7?!
Wieder spielt die Zeitnot mit. Weiß ist zwar materiell im Vorteil, aber Schwarz hat die
Initiative. 34... Df6 war eine gute Möglichkeit auf den schwachen Bauern f3 (und d4)zu spielen.

35. Kf2 Df6 36. Se1??



Der anhaltende Druck auf die weiße Stellung fordert ihr Opfer. Hier konnte Weiß nur noch
die Dame opfern. Nach 36. Dxe3 Sxe3 37. Kxe3 muss sich Schwarz erst mal strecken um
das zu gewinnen.

36... Dh4+! 37. Kg1 Txe1 0:1
Das war sicherlich noch keine überzeugende Partie für die schwarze Partieanlage, denn
Weiß versäumte um den 24. Zug die Türme zu tauschen um die schwarzen Angriffsmöglichkeiten
einzudämmen. Trotzdem gut von Erdos gespielt!


1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 Sf6




1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 c5




1. e4 e6 2. d4 d5 3. Sd2 Le7





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