SCHACHundBUCH

Dies ist eine Webseite, die sich mit Schach beschäftigt.
Spezielle Themen sind das Open der Olympiade 2008 in Dresden und die Eröffnungen
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Leningrader Variante



Das "Leningrader System" wurde in den 80er Jahren durch das geniale
Spiel von GM Vladimir Malaniuk populär. Er "erfand" die schwarze Damen-
entwicklung nach e8, die von dort aus auf beiden Flügeln unterstützend
tätig sein kann. Er spielt das System bis heute mit großem Erfolg und fand
viele Nachahmer. Der bekannteste deutschsprachige Spieler ist Stefan
Kindermann der zwei Bücher (deutsch und englisch) über das Leningrader
System schrieb. Leider wendet er es seit dem nicht mehr an.

Im Kandidatenturnier 2013 kommt die Leningrader Variante endlich einmal im Top-Level aufs Brett. Leider folgt Ivanchuk einer vor drei Jahren gespielten Partie Kramnik-Nakamura, die für Weiß vorteilhaft ist. Er stürzt in tiefes Nachdenken und verliert durch Zeitüberschreitung.

WM-Kandidatenturnier London 16.03.2013

GM Radjabov, Teimour (2793) - GM Ivanchuk, Vassily (2757)
Holländische Verteidigung, A88

1. d4 d6 2. Nf3 g6 3. c4 f5 4. Sc3 Sf6 5. g3 Lg7 6. Lg2 O-O 7. O-O c6 8. Tb1



Die Fortsetzung ist m.E. sehr stark, da sie einen klaren strategischen Plan verfolgt. Der weiße Turm wird aus der Schusslinie des Lg7 genommen, der Sc3 ist dadurch beweglicher und mittels b4/b5 wird der Punkt c6 angegriffen. Jan Gustafsson hat mehrfach nachgewiesen, dass Weiß problemlos zu guten Spiel kommt. Interessant ist, dass alle Leningradspezialisten (z.B. Danielsen, Malaniuk, Rodriguez) an dieser Stelle nicht Se4 spielen. M.E, aus gutem Grund, denn der Sf6 ist eine wichtige Angriffs- und Verteidigungsfigur und fehlt Schwarz bei einem Abtausch gegen den Sc3.
8...Se4 9. Dc2! Sxc3 "Maybe not the best move." (Radjabov), aber was sonst? Die Zeitschrift Schach schlug anlässlich der Kramnik-Partie 9...e5 vor. Dies bedeutet meiner Meinung nach aber nur Zugumstellung nach 10. dxe5 Sxc3 (10...dxe5? 11. Sxe4 fxe4 12. Sg5 +-) 11. bxc3 dxe5 und wir sind wieder in der Partie. Also bleiben 9... a5, 9...Sa6 oder im Malaniuk Stil 9...De8
10. bxc3! e5 11. dxe5
Kramnik spielte 11. Td1 gegen Nakamura und gewann die berühmte Partie in Wijk an Zee (Corus Chess 2010) 11...dxe5 12. La3 Tf7 13. Tfd1 Qe8 14. e4 f4?!



Die "holländische Lanze" laut Stefan Kindermann. Die Engines schlagen hier Lf8 vor, aber den guten schwarzen Läufer abzutauschen gefällt natürlich keinem echten Holländer. Vielmehr hofft Ivanchuk endlich via Lg4 den Läufer ins Spiel zu bringen.15. Td3 Eine etwas passive Entscheidung. Hier sieht Sg5 verlockend aus mit klarem Vorteil Weiß. 15...fxg3 16. hxg3 Sa6?! Chuky ist schon wieder in Zeitnot und so möchte er wenigstens den Springer aktivieren. Aber stattdessen erlaubt er dem weißen Springer einen schönen Tempogewinn. Auch wenn es häßlich ist, scheint Lf6 als die einzige Alternative. 17. Sg5 Tc7?! 18. Ld6! Lf6 Zu spät! 19. Dd2 Td7? 20. Lh3! und aus, der Rest ist Schweigen. Eine drastische Niederlage! 20... Tg7 21. Lxe5 Lxe5 22. Td8 Lxh3 23. Txe8 Txe8 24. Sxh3 Sc5 25. De3 Ld6 26. f3 Se6 27. Kg2 g5 28. Sf2 h5 29. Dxa7 Lc5 30. Da4 Tf8 31. Sd3 h4 32. Da5 b6 33. Txb6 Lxb6 34. Dxb6 hxg3 und Ivanchuk überschritt die Zeit 1:0


BL 2010/11 Bayern München - Werder Bremen
Runde 5, Brett 7, 2010.12.11, München, D

GM Babula, Vlastimil (2515) - FM Deglmann, Ludwig (2397)
Holländisch, Leningrader mit De8 (A87)

1. d4 f5 2. c4 Sf6 3. Sc3 d6 4. Sf3 g6 5. g3 Lg7 6. Lg2 O-O 7. O-O De8



Dies ist die Ausgangsstellung, die dem Leningrader zu großer Popularität verholfen hat. Zu dieser Stellung finden sich fast 20 Partien von FM Deglmann in meiner Datenbank, daher kann er durchaus als Spezialist gelten. Von GM Babula habe ich keine Einzige gefunden. 8. d5 Sa6 Das ist eine Überraschung! Kindermann empfiehlt a5 und "verabschiedet sich nicht gerade leichten Herzens vom theoretischen Hauptzug Sa6" 9. Tb1 ! von Kindermann Sc5 Kindermann beschreibt nur die Folgen von c5. An dieser Stelle gibt es reichlich Alternativen: 9... e5, c5, Ld7, c6, etc. 10. b4 Sce4 11. Sb5 Dd8 12. Dc2



Diese Stellung kam bisher nicht besonders häufig vor. Schwarz hat zwar einen schönen zentralisierten Springer, aber die weißen Figuren verfügen über deutlichen Raumvorteil. Es liegt natürlich nahe den weißen Springer schnell zu vertreiben, aber in demir vorliegendenm Partien scort der Zug c6 mit über 90% für Weiß. Nach Computerpartien scheint 12... a5 13. bxa5 Txa5 14. Sdb4 De8 15. Sd2 Da4! Schwarz mindestens Ausgleich zu geben. 12... c6 13. dxc6 bxc6 14. Sbd4 De8 15. b5 Weiß entwickelt nun lästigen Druck auf dem Damenflügel, aber Schwarz steht immer noch sicher 15... cxb5 16. Sxb5 Dd7 17. c5!



Der Zug eines Großmeisters! Auf 17... Sxc5 folgt stark 18. Se5! dxe5 19. Td1!! Schwarz musste wohl übel die Vereinzelung seines d-Bauern zulassen und z.B. Lb7 ziehen. Nun beginnen die Sorgen. Weiß gewinnt in wenigen Zügen seinen geopferten Bauern zurück, hinterläßt eine löchrige schwarze Stellung und die Fesselung des Sd5 ist sehr unangenehm. 17... dxc5 18. Td1 Sd5 19. Sg5 Tb8 20. Sxe4 fxe4 21. Dxc5 e6 22. Lf4 Tb6 Ich weiß nicht ob Deglmann an 22... Sxf4 gerechnet hat, denn ein kleine praktische Chance bot sich in: 23. Txd7 Sxe2+ und nach 24.Kf1(?) Lxd7 25. Kxe2 Tf5! 26. De3 Lxb5+ entsteht zumindest eine unklare Situation in der Schwarz so etwas wie Initiative hat. 24. Kh1 ist besser aber an den Folgen von 24... Lxd7 25. Lxe4 Lxb5 25. Txb5 Ld4 muss auch Weiß noch gehörig rechnen 23. Lxe4 Lb7 24. a4 Tc8 25. Da3 a6 26. Le3 Lf8 27. Da1 Lg7 Der Qualitätsverlust war nur unter Herausgabe des Fianchettoläufers mit Lc5 möglich. Doch auch da verbleibt Schwarz mit einer langfristig verlorenen Stellung. 28. Da2 axb5 29. Lxb6 bxa4 30. Ld4 Lxd4 31. Txd4 Dg7 Es ist nur zu verständlich, dass Schwarz endlich aus der Fesselung heraus will. Aber ist zu spät. 32. Txa4 Lc6 33. Tc4 Ta8 34. Dc2 Ld7 35. Tb7 1-0

Nach dem starken Zug 17. c5! entwickelte sich die Partie fast zwangsläufig. Dies zeigt auch deutlich mit welchen Gefahren Schwarz in diesem Stellungstyp rechnen muss.

Nachfolgende Partie zwischen dem mehrfachen Ex-Weltmeister und dem
amerikanischen Supergroßmeister Nakamura demonstriert wie schnell
Schwarz bei ungenauem weißem Spiel zu guten Möglichkeiten kommt:

Cap Agde 2008
Cap Agde, FRA
GM Karpov, Anatoly (2651) - GM Nakamura, Hikaru (2704)

1. d4 f5 2. Sf3 Sf6 3. g3 g6 4. Lg2 Lg7 5. O-O O-O 6. c4 d6 7. d5 Sa6
8. Sc3 De8 9. Tb1 Sc5 10. Sd4 Df7 11. b4 e5 12. dxe6 Sxe6
13. Sxe6 Lxe6 14. Lxb7 Tab8 15. Lg2 Lxc4 16. Le3 Tbe8 17. Dd2 Se4
18. Sxe4 fxe4 19. a4 a6 20. b5 axb5 21. axb5 Df5 22. b6 cxb6 23. Txb6 d5
24. Tb7 Tf7 25. Tfb1 Df6 26. Txf7 Dxf7 27. Lf1 Df6 28. Lg5 Df5 29. Tb7 Ta8
30. h4 Le5 31. Te7 Tf8 32. Lf4 Lxf4 33. gxf4 Dg4+ 34. Lg2 Dxh4 35. Tc7 Dxf4
36. Dxf4 Txf4 37. e3 Tf7 38. Tc8+ Kg7 39. Tc5 Te7 40. Tc6 Le2 41. Lh3 Ta7
42. Td6 Lc4 43. Kg2 h5 44. Kg3 Ta1 45. Kf4 Th1 46. Le6 Tf1 47. Kg5 Tg1+
48. Kf4 Tg2 49. Lxd5 Txf2+ 50. Kxe4 Lxd5+ 51. Txd5 h4 52. Td7+ Tf7
53. Kd4 0-1


Holländisch 1. d4 f5



Die holländische Verteidigung legt nahezu mit dem ersten Zug
die schwarzen Absichten offen. Der Schwarze gibt zu erkennen,
dass er den vorgerückten f-Bauern nützen will um möglichst schnell
zum Angriff zu kommen. Er "verschwendet" nicht die Tempi die z.B.
die königsindische Verteidigung benötigt um mittels Springerrückzug
erst den f-Bauern frei zu machen und dann erst f5 ziehen zu können.

Der Nachteil dieser Strategie ist, dass Weiß sehr schnell auf diese
Absicht reagieren kann und entweder ebenso aggressiv (2.e4) oder
streng positionell mit 2.g3 gegenhalten kann. Die häufigste Spielweise
von Weiß besteht aus der Fianchettierung des weißen Läufers und
"normaler" Entwicklung mit c4/Sc3/Sf3/g3/Lg2/0-0. Weiß erhält eine
postionell gesunde Stellung die ihm ein Übergewicht im Zentrum und
- bei entsprechender Ausrichtung - am Damenflügel beschert.
Überhastete schwarze Angriffe können zumeist gut gekontert werden.

Auf dieser Seite werden verschiedenen Spielpläne aus der Sicht
von Schwarz und Weiß diskutiert. Mit Weiß wird zu allermeist die
Fianchettierung des weißen Läufers nach g2 angestrebt. Die
häufigsten "Aufbauten" von Schwarz sind der sogenannte Stonewall
und die Leningrader Variante.

Weiß kann aber auch sehr früh abweichen und mit 2. e4 oder sogar
2.g4 unter Bauernopfer die Initiative ergreifen.


Staunton-Gambit



Seit 2003 findet in einem Ort mit dem faszinierenden Namen
Simpson's-in-the-Strand in Großbritannien ein Gedenkturnier an
Howard Staunton statt. Nicht nur dass die klassischen Figurensätze
nach ihm benannt sind, die Stiftung würdigt ihn als den einzigen
englischen "Weltmeister", da er zu Lebzeiten alle starken Spieler
geschlagen hatte. Da es noch keine offiziellen Wettkämpfe gab
sei diese Behauptung erst einmal dahingestellt. In der zweiten Runde
erwiesen die beiden Spieler nachfolgender Partie dem Meister die Ehre
und spielten das nach dem Namensgeber des Turniers benannte Gambit
in der Holländischen Verteidigung.


Howard Staunton Memorial 2009
Simpson's-in-the-Strand, GB
09.08.2009
Runde 2
GM Cherniaev, A (2428) - IM Wiersma, E (2403)
1. d4 f5 2. e4 fxe4 3. Sc3 Sf6 4. Lg5 Sc6 5. d5 Se5 6. De2 c6 7. O-O-O Da5
8. f4 Sf7 9. Lxf6 gxf6 10. Dxe4 Lg7 11. Sge2 e6 12. f5 O-O 13. fxe6 dxe6
14. dxe6 Sg5 15. Dh4 Sxe6 16. Kb1 Td8 17. Txd8+ Dxd8 18. Sg3 Sg5
19. Lc4+ Kh8 20. Sh5 Lf5 21. Df4 Lg6 22. Sxg7 Kxg7 23. h4 b5
24. Lb3 b4 25. Dxb4 Sf7 26. h5 1-0

Stonewall





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